Freitag, 19. Februar 2016

Bargeldverbot als »Goldfalle«

Bargeldverbot als »Goldfalle«

Michael Brückner

Viele Goldinvestoren kaufen ihre Barren und Münzen anonym über sogenannte Tafelgeschäfte. Das ist bis zu einem Höchstbetrag von 14 999,99 Euro ganz legal. Bei einem Barzahlungslimit oder einem Bargeldverbot besteht diese Möglichkeit nicht mehr oder nur noch in eingeschränktem Umfang. Beim späteren Verkauf des Goldes droht der Anleger überdies in die »Goldfalle« zu tappen.

Die anonymen Tafelgeschäfte sind den Steuerbehörden und vielen Finanzpolitikern schon seit Jahren ein Dorn im Auge. Bislang ist es möglich, zum Beispiel Gold bis zu einem Schwellenbetrag von 14 999,99 Euro zu kaufen, ohne sich legitimieren zu müssen. So konnte man sich sukzessive ein kleines Vermögen an Goldbarren- und -münzen aufbauen, ohne dass »Big Fiskus« das bemerkte.
Dies war vermutlich die einzige Form der Geldanlage, bei der man keine Spuren hinterließ, sofern man stets unter dem Schwellenbetrag von 15 000 Euro pro Transaktion blieb. Freilich ist längst nicht jeder Goldhändler bereit, solche anonymen Tafelgeschäfte abzuwickeln, obwohl diese absolut legal sind. Dahinter steckt die Furcht, der angebliche Käufer könnte ein Finanzbeamter sein und dem Händler bald eine Betriebsprüfung ins Haus stehen. Überdies gab es in der Vergangenheit immer wieder Gerüchte, der Schwellenbetrag werde womöglich bald drastisch gesenkt.

Doch das ist nun nicht mehr erforderlich. Barzahlungslimits und Barzahlungsverbote machen anonyme Tafelgeschäfte künftig unmöglich. Ein aus Sicht der Behörden nützlicher Nebeneffekt, der für den Anleger aber fatale Folgen haben kann.

5000-Euro-Limit ist nur der Einstieg

Angenommen, es bleibt tatsächlich bei dem seit einigen Tagen diskutierten Barzahlungslimit von 5000 Euro in Deutschland. Dann könnte man eben nicht mehr für knapp 15 000 Euro Gold oder andere Edelmetalle anonym kaufen, sondern nur noch bis 4999,99 Euro. Schon ein 250-Gramm-Barren Feingold kostet aktuell aber erheblich mehr.

Wobei nicht davon auszugehen ist, dass es bei einem Schwellenwert von 5000 Euro langfristig bleiben wird. Dies wäre nur der Einstieg zu weiteren Bargeldrestriktionen. Als im Jahr 2005 die automatisierte Kontenabfrage eingeführt wurde, die Finanzämter und Sozialbehörden in die Lage versetzte, jederzeit die Kontostammdaten der Bürger abzufragen, galt dieses Instrument nur in Ausnahmefällen als vertretbar.

Tatsächlich wurde im Jahr der Einführung der automatisierten Kontenabfrage lediglich in etwa 9000 Fällen davon Gebrauch gemacht. Schon 2011 wurden fast 63 000 Abfragen registriert, 2013 waren es knapp 142 000 und im Jahr darauf sage und schreibe 230 000. Das heißt, allein von 2013 bis 2014 stieg die Kontenschnüffelei um mehr als 60 Prozent.

Das zeigt, Instrumente zum Ausspionieren und Abzocken, die vorhanden sind, werden auch exzessiv genutzt. Wird ein Barzahlungslimit erst einmal eingeführt, dürfte es nicht lange dauern, bis man die Grenze von 5000 Euro vielleicht halbiert.

Verbunden mit dem Hinweis, man brauche eine »gesamteuropäische Lösung«, es dürfe in dieser Hinsicht in der EU keinen Flickenteppich geben. Ist dann irgendwann einmal das völlige Bargeldverbot durchgesetzt – was die finale Absicht der Cash-Gegner ist –, könnte man noch nicht einmal mehr eine Unze Silber kaufen, ohne dabei Spuren beim elektronischen Bezahlvorgang zuhinterlassen.

Auch Goldinvestoren werden gläsern

Wer dennoch in Gold investiert, müsste also künftig den Kaufpreis per Banküberweisung begleichen. Für die Finanzbehörden wäre es ein Leichtes festzustellen, wer, wann, wie viel Gold oder andere Edelmetalle ge- oder verkauft hat. Sehr nützlich bei einem eventuell später folgenden Verbot von privatem Goldbesitz.

Verkauft der Anleger das Gold dann innerhalb der Spekulationsfrist wieder mit Gewinn, wird dieser Vorgang für die Steuerbehörden transparent – und der Betreffende muss seinen Gewinn mit dem Fiskus teilen.

Unangenehm könnte es für Goldinvestoren werden, die ihre im Rahmen von anonymen Tafelgeschäften erworbenen Barren und Münzen nach einem Bargeldverbot verkaufen möchten.Dann nämlich bleibt ihnen nur, sich den Ankaufbetrag auf das Bankkonto überweisen zu lassen oder aber das Gold in einem Land zu verkaufen, in dem das Bargeld noch nicht verboten ist. In diesem Fall müsste aber das Edelmetall vermutlich über eine EU-Außengrenze gebracht werden.

Bei einem Verkauf der Barren und Münzen im Inland hingegen bleibt dieser Vorgang aufgrund der Überweisungsgutschrift nicht mehr verborgen. Bei etwas größeren Summen könnte sich der Fiskus dafür interessieren, woher das Geld stammt, das seinerzeit in den Kauf von Edelmetallen investiert wurde. Klingt die Antwort nicht plausibel, lässt sich daraus schnell ein Geldwäschevorwurf konstruieren.

Der betreffende Anleger könnte ja unversteuertes Geld (also Schwarzgeld) seinerzeit über anonyme Tafelgeschäfte in Gold investiert haben. Jetzt verkauft er das Gold wieder und hat – so der mögliche Vorwurf – das Geld gewaschen.

Auch Goldanleger mit absolut reinem Gewissen sollten sich über eine Tatsache im Klaren sein: Während im Strafrecht dem Beschuldigten die Tat detailliert nachgewiesen werden muss, gelten im Steuerrecht im wahrsten Sinne des Wortes andere Gesetze. Dann nämlich muss der im Verdacht stehende Steuerzahler nachweisen, dass die Vorwürfe falsch sind, was im Einzelfall nicht einfach sein dürfte.

Nicht in die »Goldfalle« tappen

Solange also nur Barzahlungslimits bestehen, sollte beim privaten Goldverkauf unbedingt auf die bestehenden Grenzen geachtet werden. Ansonsten bleibt nur der Weg, die Münzen und Barren in der Schweiz zu veräußern, solange sich die Eidgenossen einem Bargeldverbot in der EU nicht anschließen.

In jedem Fall erscheint es sinnvoll, schon vorsorglich für den Fall der Fälle zu dokumentieren, woher das in Gold investierte Geld stammte (Lebensversicherung, Autoverkauf, Erbschaft, Schenkung oder Ähnliches), damit aus dem Bargeldverbot nicht auch noch eine »Goldfalle« wird.




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EZB-Politik dürfte im Bargeldverbot und somit im Chaos enden

EZB-Politik dürfte im Bargeldverbot und somit im Chaos enden

Birgit Stöger

Der frühere EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark kritisiert einmal mehr das Verhalten der Notenbanken, die sowohl die Regierungen wie auch die Finanzmärkte von der seit Jahren anhaltenden Lockerungspolitik abhängig gemacht hätten. Professor Dr. Jürgen Stark gilt als Vertreter einer strikten Geldpolitik. Von 1998‒2006 war er Vizepräsident der Deutschen Bundesbank. 2006 wurde er als Nachfolger von Otmar Issing zum Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB) berufen.

Dass Stark als Mann der klaren Worte gilt und sich getraut, auch Unbequemes zu sagen, demonstrierte er 2012, als er wegen seiner Unzufriedenheit über den Kurs der EZB von seinem Amt als EZB-Chefökonom zurücktrat, was ein enormes Medienecho hervorrief. Seither zeigt sich Stark mit Blick auf die möglichen Folgen der aktuellen EZB-Geldpolitik höchst besorgt.
Zentralbanken und Regierungen haben versagt

In einem Interview mit Welt Online legt der sich als ordoliberal einstufende Stark dar, dass trotz aller Versprechen der jeweiligen Regierungen, das weltweite Finanzsystem widerstandsfähiger zu machen, nichts geschehen sei. Weder die Staatsschuldenkrise noch die Wachstumsprobleme seien gelöst.

Vielmehr seien die Zentralbanken längst zu »Gefangenen ihrer eigenen Politik« geworden. Stark bestätigte das Stimmungsbild, das KOPP Online letzte Woche von den Kapitalmärkten zeichnete und wies darauf hin, dass seit einigen Wochen eine deutliche Korrektur an einigen, bisher überbewerteten Vermögenswerten stattfindet.

Da es bei solchen Prozessen zu heftigsten Marktreaktionen kommen könne, würde das Bankenbeben der letzten Wochen Erinnerungen an die Finanzkrise von 2008 wachrufen. Ob man sich tatsächlich bereits am Anfang einer neuen systemischen Krise befinde, sei schwer zu bewerten. Deutlich jedoch sei zu erkennen, wie abhängig die Finanzmärkte und die hochverschuldeten Regierungen vom jeweiligen Verhalten der Zentralbanken seien.

Stark gehört zu den frühen Mahnern, die in der hohen Schuldenlast der Euro-Länder eine große Gefahr sahen und bezeichnete die Niedrigzinspolitik des ehemaligen Investmentbankers Mario Draghi als großes Risiko, da diese Geldpolitik zu fundamental verzerrten Marktbedingungen führen. Zudem habe man keine Erfahrungen damit, welche Auswirkungen eine so lange Zeit der niedrigen Zinsen haben werde.

Die bisherigen Versäumnisse der Regierungen und die noch anhaltenden Anpassungsprozesse der Bankensysteme in wichtigen Ländern der Euro-Zone haben zu dem hohen Anteil von notleidenden Krediten geführt, die sich nun in den Bankenbilanzen widerspiegeln und Kreditvergaben enorm belasten.

Dass bislang immer noch keine Entwöhnung des Weltfinanzsystems von der massiven Geldflut stattgefunden habe, werde sich rächen. Das durch die Nullzins-Politik verfolgte Ziel, eine gesamtwirtschaftliche Nachfrage zu stimulieren und die Refinanzierungskosten der immensen Staatsschulden zu senken, übersteige die Möglichkeiten der Geldpolitik und schaffe keinerlei wirtschaftliches Wachstum. Zudem setze diese Geldpolitik gänzlich falsche Anreize für Regierungen, die sich somit weiter verschulden würden.

Auch wenn die Banken derzeit keine großen Mengen von Staatspapieren der eigenen Regierungen kaufen würden, blieben die potenziellen Belastungen bestehen, so Stark. Das Aufkaufen erledige zurzeit die EZB-Geldpolitik über die »mengenmäßige Lockerung« (Quantitative Easing, QE).

Bargeldverbot wird kommen

Die milliardenschweren Aufkäufe von Anleihen durch die Notenbanken hält Stark unter den vorherrschenden Bedingungen für uneffektiv. Ein »weiter so« bis hin zu einer Erhöhung der Dosis für eine noch längere Zeit werde die negativen Folgen noch verschärfen.

Die Antwort Starks auf die Frage, welche Möglichkeiten den »Herren des Geldes« noch »offen stünden«, fällt dementsprechend ernüchternd aus. Sollten die Zentralbanken ihrer bisherigen Logikfolgen, werden diese sich nicht scheuen, die »Belastbarkeit neuer Instrumente« zu testen.

Insbesondere werden die Zentralbanken eine nochmalige Ausweitung des QE und der Negativ-Zinsen auf breiter Front durchsetzen. Stark weist darauf hin, dass es hierfür aber Grenzen der Akzeptanz gebe. Die Bürger würden dazu übergehen, verstärkt Bargeld zu halten, was wiederum die Bestrebungen der Zentralbanken konterkariere.

In letzter Konsequenz, so der ehemalige EZB-Chefökonom, werde dies zur Abschaffung des Bargelds und zur Entmündigung der Bürger führen. Das alles dürfte im Chaos enden, so das Resümee des Ökonomen.

Wie weit sich die Realität bereits an das von Stark skizzierte Szenario angenähert hat, zeigen die aktuellen Hilferufe der Banken an die EZB und die momentan diskutierte Limitierung von Bargeldgeschäften auf 5000 Euro. Bereits als beschlossen darf die Abschaffung des 500-Euro-Scheins gelten, was in einem rasend schnellen Tempo in der Abschaffung des Bargeldes münden wird.




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Notruf der Banken an die EZB schreckt die Finanzwelt auf

Notruf der Banken an die EZB schreckt die Finanzwelt auf

Markus Gärtner

SOS im Banken-Universum. Das Handelsblatt berichtet unter der Schlagzeile »Der Notruf der Banken« von einigen europäischen Geldhäusern, die SOS-Signale an EZB-Präsident Mario Draghi abgesetzt haben. In den Teppich-Etagen der Geldhäuser herrscht wegen der horrenden Kursverluste der vergangenen Wochen »Krisenstimmung.«

Im Klartext: Die Top-Banker fühlen sich nach den jüngsten Kurs-Kapriolen an den Börsen - sowie zunehmenden Gerüchten über Schieflagen bei diversen Banken - stark an die Finanzkrise 2008 erinnert. Sie fürchten den Kollaps einzelner Institute, und in der Folge des ganzen Systems.

Laut Handelsblatt haben »bereits mehrere Banker bei der Europäischen Zentralbank um Hilfe gebeten.« Alleine könnten sie die Krise nicht überwinden. - Die konkrete Forderung lautet, die EZB solle anstatt Staatsanleihen nun auch Anleihen der Banken aufkaufen.

Wir haben es mit dem schrillsten Warnsignal zu tun, das seit Beginn der jüngsten Börsenturbulenzen zu hören war.

Der Hilferuf der Banken wird ausgerechnet an jenem Tag bekannt, an dem (Dienstag dieser Woche) vor dem Verfassungsgericht über eine Klage verschiedener Staatsrechtler, darunter dem emeritierten Karl Albrecht Schachtschneider, gegen die Geldpolitik der EZB verhandelt wird.

Seit der Finanzkrise haben uns Politiker aller Parteien versichert, Europas Banken seien stabiler geworden, die Steuerzahler würden nicht wieder zur Kasse gebeten. Sollte Mario Draghi den Notruf der Banken erhören, wonach es zunächst noch nicht aussieht, dann wäre das die verzweifelteVorstufe, einen erneuten Bailout zu Lasten der Steuerzahler noch zu vermeiden.

Doch selbst wenn Draghi einen Rettungsanker setzen will, kann er das kaum schaffen. Zu viele Schrott-Papiere liegen noch aus der jüngsten Finanzkrise in den Tresoren der Banken. Und zu viele riskante Wertpapiere und deren Derivate schlummern wie eine Bombe in den Kellern und Bilanzen der Geldhäuser.

Laut der Finanz-Webseite Seeking Alpha hielt die Deutsche Bank im Oktober Derivate mit einem addierten Nennwert von mehr als  52 Billionen Euro. Das sind 50 Prozent mehr als Lehman Brothers zum Zeitpunkt seiner Pleite.

Im jüngsten Quartalsbericht des Office oft he Comptroller oft he Currency (OCC), das beim US-Finanzministerium unter anderem über die Derivate-Risiken der Banken wacht, wird für die 25 größten Banken ein addierter Derivate-Nennwert von 191 Billionen Dollar ausgewiesen. Das entspricht 49 Mal der gesamtwirtschaftlichen Leistung Deutschlands in einem Jahr.

Die Banken weisen gerne darauf hin, dass sie solche Risiken durch Geschäfte mit anderen Banken oder Investoren absichern. Doch dadurch entsteht ein gigantisches Kartenhaus, das ein größererDomino zum Einsturz bringen kann.

»Viele überregionale Banken sind anhaltend strategischen Herausforderungen ausgesetzt, um in einer langsam wachsenden Wirtschaft mit niedrigen Zinsen zu wachsen. Die Banken lockern angesichts des Wettbewerbsdrucks und der Wachstumsaussichten die Kreditstandards, unter anderem was die Laufzeiten, die Sicherheiten und die Kontrolle angeht.«
Ganz klar: Das Risiko steigt weiter an, und das Umfeld wird für die Geldhäuser immer schwieriger. Dass jetzt plötzlich von einer »Abwärtsspirale« die Rede ist, lässt aufhorchen. Ebenso beunruhigt die Tatsache, dass die EZB zu Hilfe gerufen wird.

Die US-Notenbank hat gerade als erste große Zentralbank der Welt mit dem Versuch begonnen, die Zinsen nach sieben Jahren am Boden wieder zu normalisieren. Kaum wird es an den Börsen etwas turbulenter, kommen solche Hilferufe und es droht eine erneute Kehrtwende, diesmal mit den Zinsen weiter nach unten.

Das ist nichts anderes als der abschließende Beweis, dass die ultra-lockere Geldpolitik der vergangenen Jahre nichts gebracht hat.

Was jetzt droht, ist eine massive Ausbreitung negativer Strafzinsen auf Ersparnisse. Dann werden Bankkunden noch mehr Bares abheben zuhause deponieren.

Der nächste Schritt ist das Bargeldverbot. Es wird schneller kommen, als wir alle erwarten.





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Die Banken in der Euro-Zone wandeln hart am Abgrund

Die Banken in der Euro-Zone wandeln hart am Abgrund

Thomas Trepnau

Der Aktienkurs der Deutschen Bank ist innerhalb von zwölf Monaten um 43 Prozent gefallen. Bei der Commerzbank sieht es mit einem Kursrückgang von 35 Prozent kaum besser aus. Finanzminister Wolfgang Schäuble sieht sich genötigt, die Deutsche Bank zu verteidigen, er mache sich »keine Sorgen«. Doch die Wirtschaftsweise Isabel Schnabel hält die Kursentwicklung der Bankaktien für »sehr beunruhigend«.

Auch die Marktteilnehmer sind bei den Euro-Banken ausgesprochen misstrauisch. Sie erwarten hohe Abschreibungen und gehen davon aus, dass das Eigenkapital in den Bankbilanzen viel zu hoch ausgewiesen ist. Die Eigenkapitaldecke der Banken ist laut Degussa-Marktreport und Informationen der Europäischen Zentralbank hauchdünn. Das heißt, ihre Fähigkeit, die nächsten Schocks wegzustecken, ist äußerst begrenzt.
In Wahrheit ist dieser Puffer sogar so dünn, dass er bei Verlusten von nur acht Prozent in den Bilanzen ausgelöscht wäre. Die Banken wären nicht mehr in der Lage, Kredite zu vergeben. Das würde einen Teufelskreis in Gang setzen, der die Realwirtschaft mit in den Abgrund zieht.

Schon bei einer geringen Abschwächung der Wirtschaft, auf die seit Monaten ja einiges hindeutet, wird eine Reihe von Krediten über Nacht »notleidend«. Die Eigenkapitalquoten würden dann mit Stumpf und Stiel in den Boden gerammt.

In diesem Fall erwischt es zuerst die Aktionäre der Banken, dann die Halter von Bankanleihen und anschließend die Sparer mit ihren Bankguthaben (Bail in). Was der Einlagensicherungsfonds für Sparer dann wirklich wert ist, wird sich zeigen. Genügen diese bisher angeführten Maßnahmen nicht, dann steht noch der »Europäische Abwicklungsfonds« mit 55 Milliarden Euro bereit.

Die EZB wird Zahlungsausfälle im Euro-Bankenapparat jedoch nicht zulassen. Sie wird, um die Zahlungsfähigkeit der Euro-Banken sicherzustellen, die Geldmenge erheblich ausweiten. Bei einer Liquiditätslücke der Euro-Banken von rund 4,8 Billionen Euro Ende 2015 wird die EZB ihr Anleihenkaufprogramm noch einmal kräftig steigern.

Die Europäische Zentralbank unter Draghi hat diese Verwerfungen befördert, indem sie Minizinsen verordnet hat. Darüber freuen sich die Schuldner. Ganz besonders die Regierungen der Länder der Euro-Zone.

Bei den Geldverleihern drosselt der niedrige Zins jedoch die Gewinnmargen und verhindert die Bildung einer brauchbaren Eigenkapitaldecke. Wie soll bei einem Hypothekenkredit für 1,6 Prozent Zinsen pro Jahr noch Risikovorsorge betrieben werden?

Europas Banken sind derzeit noch nicht einmal in der Lage, Angaben zu gebildeten Rückstellungen zu machen. Da sie es auch versäumt haben, frisches Kapital auf den Kapitalmärkten aufzunehmen, bleibt ihnen jetzt gar nichts anderes übrig, als bei Draghi um Hilfe zu betteln. So berichtete dasHandelsblatt.

Wenn Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem beim Finanzministertreffen in Brüssel behauptet, unsere Banken seien in einer deutlich besseren Situation als noch vor ein paar Jahren und es sei viel Eigenkapital aufgebaut und es seien Bilanzen restrukturiert worden, dann fragt man sich, ob der Mann jemals einen Blick in eine Bankenbilanz geworfen hat.

Dass unser Finanzminister Wolfgang Schäuble erklärte, ihm würden die jüngsten Kurseinbrüche der Deutschen Bank »keine Sorge« bereiten, muss jedem Beobachter tiefe Sorgenfalten auf die Stirn treiben.

Als weitere Beruhigungspille musste dann auch noch EU-Wirtschaftsminister Pierre Moscovici erklären, die Fundamentaldaten seien ebenso ausreichend solide wie der Bankensektor und diereale Wirtschaft. Europa sei nicht auf dem Weg in eine neue Krise. Der Bankenstresstest belege die Solidität der Branche.

Wenn uns drei derart hochrangige Funktionäre so eindringlich versichern, alles sei in bester Ordnung, dann gilt: Rette sich, wer kann! Bankkunden, die ihre Ersparnisse vertrauensvoll auf einem Bankkonto liegen haben, sollten bei der Gemengelage gründlich darüber nachdenken, ob ihr Geld dort gut aufgehoben ist.

Die Situation der Euro-Banken ist fragil wie nie. Daran ändern auch die nun wieder etwas besseren Aktienkurse nichts. Die Euro-Banken und damit die Wirtschaft der Euro-Zone wandeln am Abgrund.

Market Watch meint: Fällt nur eine deutsche oder französische Bank, dann geht der Euro mit ihr unter. Eine weitere Bankenkrise überlebt die Euro-Zone nicht.








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